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Kolumne

Sport in Bremen / Sportanlagen in Bremen - Hau-den-Lukas: Die letzte Männerdomäne

Hau-den-Lukas: Die letzte Männerdomäne

Vom Haderlump zum Gschaftlhuaba oder warum die Damen auf der Wies'n keine rechte Höhe bekommen.

Im Sport ist die Gleichberechtigung längst eine Selbstverständlichkeit. Frauen boxen, spielen Eishockey und sausen Skisprungschanzen hinunter. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich die vielleicht letzte Männerdomäne des Sports nicht in Sporthallen findet. Auch nicht in Fitnessstudios, Schwimmhallen oder auf sonstigen Sportplätzen. Nein, die letzte Bastion der Männlichkeit findet man auf Rummelplätzen. Etwa jetzt wieder im September und Oktober. Auf der Münchner Wies’n oder der Cannstatter Wasen. Die Rede ist vom Lukas, allgemein als Hau-den-Lukas bekannt. Es geht darum, mit einem großen Hammer über den Kopf auszuholen und dann das Werkzeug möglichst genau auf einen Punkt, den sogenannten Dorn, hinunter sausen zu lassen. Je nachdem wie hart der Schlag ausgeführt und wie genau der Dorn getroffen wird, steigt eine Kugel an einer Messlatte in die Höhe.

Schon Popeye nutzte den Lukas gerne, um die außerordentliche Wirkung des Spinats auf seine Muskelkraft zu demonstrieren. Und genau darum geht es beim Hau-den-Lukas: Stärke zeigen. Gerade nach dem einen oder anderen Bier übt dies auf den männlichen Volksfestbesucher offenbar einen unwiderstehlichen Reiz aus. Und so geben sich die Herren der Schöpfung den Hammer in die Hand, während die Frauen das johlende Publikum bilden. Nicht selten schicken die Damen auch ihren Liebsten vor, seine Kräfte vor den anderen zu demonstrieren.

Wer die Metallkugel an die höchste Stelle befördert, löst ein Klingelsignal aus und darf sich des Applauses der Umstehenden sicher sein. Doch die Gefahr der Blamage ist groß. Wer das obere Ende nicht erreicht, kann seine Leistung an verschiedenen Schildern ablesen, die in unterschiedlichen Höhen an der Messlatte angebracht sind und dazu gedacht sind, den Rummelsportler zu verspotten. Hierbei geht es alles andere als politisch korrekt zu. Das unterste Schild weist den Delinquenten als „Schlappschwanz“ aus, darauf folgen „Anfänger“ und „Haderlump“. Die oberen Regionen schließlich sind mit „Weiberheld“ und „Weltmeister“ tituliert. Eine Skala also, die das weibliche Geschlecht gänzlich ausschließt und bei Feministinnen wohl ein Kopfschütteln auslösen dürfte. Allerdings wurden die Frauen dann letztlich doch nicht ganz vergessen, denn es gibt eine „Damenhöhe“. Direkt zwischen „Anfänger“ und „Schlappschwanz“ hängt die Plakette, allerdings nur als Anhängsel an das große Schild „Gschaftlhuaba“ (bayrisch für Wichtigtuer). Ob das Schild Frauen dazu animieren kann, sich am Hau-den-Lukas zu versuchen, darf bezweifelt werden. Dient es doch in erster Linie dazu, schwächelnde Herren der Lächerlichkeit Preis zu geben.

Doch warum ist die Emanzipation am Hau-den-Lukas vorbeigegangen? Sind die Hau-den-Lukas-Betreiber allesamt Machos? Ist den Frauen die sportliche Betätigung auf dem Rummel zu primitiv? Liegt es einfach nicht in der Natur der Frau, Muskelkraft durch Hammerschläge zu demonstrieren? Diese Fragen sind nicht ohne weiteres zu beantworten. Doch wie immer gibt es auch hier Ausnahmen. Die letzte Männerbastion scheint zumindest ein wenig zu wackeln. Denn zwischen den Männerhorden wurde schon die eine oder andere hammerschwingende Dame gesehen.

C.St.

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